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Ausstellung Walker-Evans in Bottrop

Neue Fotoausstellungen, die ihr gesehen haben solltet

Ausstellung im Museum Folkwang in Essen – „Otto Steinert – Absolute Gestaltung“

Bis zum 24. Januar zeigt das Museum Folkwang in Essen unter dem Titel „Otto Steinert – Absolute Gestaltung“ anlässlich des 100. Geburtstages des Fotografen etwa 80 seiner Arbeiten, darunter viele bisher kaum gezeigte Werke. Der 1915 in Saarbrücken geborene Steinert, der die legendäre Gruppe „fotoform“ mitbegründete, ist der große Erneuerer der Fotografie der fünfziger Jahre in Deutschland. Seine „subjektive Fotografie“, die er seit 1959 als Lehrer an der Essener Folkwang-Schule für Gestaltung vermittelte, prägt die Fotokunst bis heute. Essen ist der prädestinierte Ort für diese wichtige Jubiläumsausstellung, denn dort wird der fotografische Nachlass Otto Steinerts verwahrt.

Zu sehen sind neben beachtlichen Porträts und Selbstporträts vor allem auch Beispiele aus seiner Serie der Luminogramme und anderen Werken der „subjektiven Fotografie“, in der Steinert die Traditionen der Bauhaus-Fotografie und die Reduktionen und Abstraktionen des Neuen Sehens mit neuen Einflüssen verband. Seine freien, oft nicht abbildenden Dunkelkammer-Experimente, Langzeitbelichtungen, Solarisationen, Fotomontagen und Fotogramme gelten heute als wegbereitend. Am 27. und 28. November findet in Essen zudem ein international besetztes Symposium zum Thema „Arbeit am Bild: Otto Steinert und die Felder des Fotografischen“ statt.

Ausstellung im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung in München

In München, im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung, ist noch bis zum 24. Januar die Ausstellung „Sebastião Salgado. Genesis“ zu sehen. Salgado arbeitet bereits seit 2004 an seiner „Genesis“-Reihe, zu der vor kurzem auch ein opulentes Buch im Taschen-Verlag erschienen ist.

Sebastião Salgado - Genesis

© Sebastião Salgado, Amazonas Images, Kunstfoyer
Meerechse, Galapagos. Ecuador, 2004

 

In seiner Serie zeigt der 1944 im brasilianischen Aimorés geborene Fotograf die letzten Paradiese – Orte an den Rändern der zivilisierten Welt. Verlassene Orte. Orte, die noch kein Fotograf in Bilder gegossen hat. „In Genesis sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören”, sagt der brasilianische Fotograf. Er präsentiert uns hier Reste unberührter Natur, die er bei vielen Reisen fotografiert hat. Salgado ist bis heute einer der besten Schwarzweißfotografen der Welt, der es wie kaum ein anderer versteht, mit Schattierungen, Grauabstufungen und Hell-Dunkel-Kontrasten zu faszinieren.

„Wir müssen das Bestehende bewahren“, resümiert Salgado. Auf den Galapagos-Inseln hat er fotografiert, in der Antarktis, im Südatlantik, im brasilianischen Urwald, in Patagonien, Botswana, Madagaskar oder Sumatra. Rund um den Globus ist er gereist, um seine „Liebeserklärung an unseren Planeten“ zu schaffen. Die Ausstellung versammelt 250 großformatige Aufnahmen.

Anton-Corbijn-Ausstellung im C/O Berlin

Noch bis zum 31. Januar versammelt C/O Berlin anlässlich des 60. Geburtstags des Fotografen und Regisseurs Anton Corbijn eine große Retrospektive mit 600 Fotografien, Filme und weiteren Exponate.

C/O Berlin - 1

© Anton Corbijn – „Björk“, Reykjavik 1999. C/O Berlin Foundation, Berlin

War Corbijn als Popstar-Porträtist früher für seine monumentale, dramatische Fotografen-Handschrift bekannt, für geheimnisvolle Unschärfen, Schattenzonen und Dunkelheit, so überrascht er inzwischen mit einer größeren stilistischen Vielfalt. Dennoch sind seine rauen, körnigen, hart kontrastierten, oft mit Unschärfen spielenden Porträts von Bands wie Depeche Mode oder U2 die Stars dieser Ausstellung.

C/O Berlin - 2

© Anton Corbijn – „Christy Turlington“, Dublin 1993. C/O Berlin Foundation, Berlin

 

Andreas Gurkst im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Ein Star der zeitgenössischen Fotokunst ist auch Andreas Gursky. Noch bis zum 24. Januar präsentiert das Museum Frieder Burda in Baden-Baden sein Gesamtwerk. Gursky, als Sohn eines Werbefotografen 1955 in Leipzig geboren, studierte von 1978 bis 1981 an der Universität-Gesamthochschule Essen Visuelle Kommunikation bei Otto Steinert und Michael Schmidt. Anschließend, noch wichtiger für seine künstlerische Entwicklung, bei Bernd Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf. Er gehörte mit Axel Hütte, Jörg Sasse, Thomas Struth, Candida Höfer oder Thomas Ruff zu der ersten Generation jener Becher-Schüler, die in den neunziger Jahren international Karriere machen sollten.

Früh entschied sich Gursky für das große Format, den distanzierten, strengen Blick, eine hohe Präzision der Abbildung und die digitale Bearbeitung seiner Bilder – dieses ganz im Gegensatz zu der Fotografie seiner Lehrer. Immer wieder fotografierte Gursky an öffentlichen Plätzen und Orten, bei Boxkämpfen, Demonstrationen, bei Techno-Raves, in Börsen wie der „Chicago Board Of Trade“, der „New York Mercantile Exchange“ oder der „Symex Singapore“, in Fußballstadien oder bei Popkonzerten. Es ist vor allem die Konsumwelt, die fetischisierte Produktwelt, die Gursky immer wieder zum Thema seiner Arbeiten macht. Oft ist es dabei die Anonymität, die den Fotografen interessiert. Ein „Meister des Monumentalen“ wurde Gursky immer wieder genannt, den die Retrospektive in Baden-Baden in einem spannenden Überblick vorstellt. Zur Ausstellung ist ein Buch im Steidl-Verlag erschienen.

Fotografie Forum Frankfurt: „Beyond Transisi“

Fotografie Forum Frankfurt 1

© Rony Zakaria – „The Sweet Sugar Island“, Yogyakarta, Indonesien, 2011. Fotografie Forum Frankfurt, Frankfurt am Main

Noch bis zum 15. November sind unter dem Titel „Beyond Transisi“ im Fotografie Forum Frankfurt zeitgenössische indonesische Fotokünstlerinnen und Fotokünstler zu sehen, die sich globalen Themen annehmen: Armut, Einwanderung, Umweltkatastrophen, digitale Revolution, Bevölkerungswachstum und industrielle Entwicklung. „Transitions, also Umwälzungen, treten im Alltag Indonesiens in verschiedensten Formen in Erscheinung und sind geologisch, kulturell oder politisch begründet. Diese Fotografien beschäftigen sich mit dem, was über diese Umwälzungen hinaus geht“, so fasst Celina Lunsford, die Leiterin des FFF, das Thema der Ausstellung zusammen.

Fotografie Forum Frankfurt 2

© Jay Subyakto – „Ngaben“, 2008. Fotografie Forum Frankfurt, Frankfurt am Main

 

Genauso vielfältig wie ihre Sujets sind auch die Bildsprachen der Fotografen. Doch was beinahe alle der gezeigten Positionen eint, ist ihre Beharren auf dokumentarischen Bildstrategien. Die neun Fotografen, die zwischen 1960 und 1990 geboren sind, zeigen die Welt, wie sie ist, wie etwa im Fall von Octa Christi. Seine Bilder von Jugendlichen in ihren Zimmern sind sehr direkte Zeugnisse eines Lebensgefühls in einer Zeit des Wandels. Die sehenswerte Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Antara Gallery in Jakarta.

„Walker Evans. Tiefenschärfe“-Ausstellung im Josef-Albers-Museum in Bottrop

Einen Klassiker der Fotogeschichte präsentiert das Josef Albers Museum in Bottrop. Bis zum 10. Januar ist hier die Schau „Walker Evans. Tiefenschärfe“ zu bewundern. Evans – geboren 1903 in Saint Louis – wurde als Fotograf durch die Bilder bekannt, die während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre entstanden, Dokumentationen der Armut, Ikonen der Fotogeschichte. Schon 1938 zeigte das MoMA die Ausstellung „Walker Evans: American Photographs“: die erste Einzelschau, die dort einem Fotografen gewidmet wurde.

Ausstellung Walker-Evans in Bottrop

Walker Evans. Tiefenschärfe.
© Josef-Albers-Museum, Bottrop, 2015

Heute gilt Walker Evans als einer der wichtigsten amerikanischen Fotografen – und die Ausstellung in Bottrop zeigt seine wichtigsten Bilder. Alle Werkgruppen von Walker Evans sind vertreten – bis hin zu den Polaroids, die er in den siebziger Jahren anfertigte. Auch diese späten Bilder sind eine deutliche Absage an jede Romantik, jede Sentimentalität und Nostalgie: Der nüchterne Blick auf den Alltag, das blieb bis zum Ende seines Fotografen-Lebens der ureigene Blick von Walker Evans. Zur Ausstellung ist ein Buch im Prestel-Verlag erschienen.

FREELENS-Galerie in Hamburg: Martin-Bogren-Ausstellung

Auf eine letzte Ausstellung wollen wir noch aufmerksam machen – und zwar auf die Schau „Tractor Boys“ von Martin Bogren, die bis zum 12. November in der FREELENS-Galerie in Hamburg präsentiert wird.

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© Martin Bogren. FREELENS Galerie, Hamburg

 

Bogren zeigt uns das, was man im ländlichen Südschweden als Jugendlicher so tut: Traktor fahren nämlich. Seine Bilder offenbaren uns eine wundersame Welt von jungen Leuten, die auf frisierten Traktoren oder gedrosselten PKWs ihre waghalsigen Runden drehen, Zigaretten rauchen, Bier trinken, die Reifen durchdrehen lassen und sich küssen. Das alles zeigt er uns in düsterem, grobkörnigem Schwarzweiß – eine der interessantesten Neuentdeckungen der jungen schwedischen Fotografie. Seine Arbeiten werden jetzt erstmals in Deutschland gezeigt.

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© Martin Bogren. FREELENS Galerie, Hamburg