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Portraitfotografie – Hinweise zur Beleuchtung für Anfänger

Welche grundlegende Ausrüstung ihr zur Portraitfotografie braucht, findet ihr im Artikel über die beste Ausrüstung bei Portraitfotografie. Es geht also nicht so sehr um Objektive, Brennweite oder Blende, sondern darum, was ihr mit eurer Ausrüstung bei der korrekten Beleuchtung beachten solltet. Hier findet ihr eine kleine Fotoschule für die korrekte Handhabe eurer Lichter für die Portraitfotografie. An dieser Stelle wiederhole ich nur nochmal kurz: ihr benötigt mindestens zwei Lichtquellen für gute Ausleuchtung bei solider Portraitfotografie, besser drei. Dieses Licht sollte sehr weich und diffus sein. Dafür ist eine Softbox ideal. Wie ihr eine Softbox zum Experimentieren selber bauen könnt, erfahrt ihr ebenfalls in dem Artikel über die beste Ausrüstung bei Portraitfotografie. Die ersten beiden Lichter, optimal Licht aus der Softbox, dienen dazu, die portraitierte Person von beiden Seiten zu beleuchten und die dritte Lampe, um Schatten zu vermeiden oder den Hintergrund aufzuhellen. Gehen wir im Folgenden von zwei Lichtquellen aus. Im Prinzip gibt es bei Portraitfotos zwei Typen der Lichtgestaltung: High-Key- und Low-Key-Beleuchtung. Weiterhin werden in diesem Artikel das Fotografieren mit Blitzlicht und Portraitfotografie mit natürlichem Licht unter die Lupe genommen.

Portraitfotografie – High-Key-Beleuchtung

Die High-Key-Beleuchtung ist heutzutage der Standard für Portraitfotos. Die allermeisten Resultate der Portraitfotografie aus dem Studio sind hell ausgeleuchtete Bilder, wo Schatten vermieden werden oder ganz weich gezeichnet sind. Die Low-Key-Beleuchtung dagegen ist eine minimale Ausleuchtung mit harten Schatten und starken Kontrasten. Diese kann, auch bei Portraitfotos, durchaus interessant sein – und, richtig eingesetzt, sexy oder mysteriös wirken. Beiden gemeinsam ist, dass das Licht NIEMALS direkt von vorn kommt, sondern immer von der Seite. Frontales Licht ist bei der Portraitfotografie der Anfängerfehler Nummer 1, das jede Atmosphäre zerstört.

Prinzipiell umfasst die High-Key-Beleuchtung bei der Portraitfotografie einen höheren Weißanteil als andere Beleuchtungsarten. Der Grundaufbau bei High-Key-Fotos ist dieser: ein stärkeres, aber möglichst diffuses Führungslicht (bestenfalls aus einer Softbox) kommt schräg von vorn (in der Regel von der linken Seite). Ein schwächerer Aufheller wird auf der anderen Seite hinter dem Model platziert. Die meisten Fotografen richten dieses Licht auf der rechten Seite ein, aber natürlich können die Seiten auch vertauscht werden. Wenn ihr Anfänger der Portraitfotografie seid, achtet auf Folgendes: eine Gesichtshälfte sollte heller als die andere sein. Im Idealfall bekommt die dunklere Hälfte eine Lichtkante.

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Bei der Fotografie mit High-Key-Beleuchtung wird häufig der Fehler gemacht, es etwas zu gut mit der Belichtung zu meinen. Achtet daher darauf, dass eure Belichtung die hellere Gesichts- oder Körperhälfte nicht überstrahlt. Der normale Haut-Teint sollte bei der Portraitfotografie immer noch zu erkennen und kein „weißes Etwas“ sein, ebenso die Kleidung. Wenn eure Portraitfotos so aussehen, habt ihr grundlegend erst einmal alles richtig gemacht – das ist der Standard aus der konventionellen Fotoschule. Nun solltet ihr die dunklere Gesichtshälfte durch einen Reflektor noch etwas aufhellen, um unliebsame Schatten aus dem Gesicht zu bekommen. Reflektiert dementsprechend auch von der Seite, sodass das Führungslicht schräg auf den Reflektor geworfen wird und ihr dieses weiche Licht ausnutzen könnt. Ihr solltet etwa mit einer Brennweite von 70mm fotografieren und darauf achten, dass die Blende einen Richtwert von f1,8 hat – wie gesagt, dieser Wert der Blende ist nur grob überschlagen, je nach Belichtung und Lichtstärke eures Objektivs müsst ihr ihn dementsprechend anpassen.

Man kann zusammenfassen, dass das Model bei der gewöhnlichen Portraitfotografie von zwei bzw. drei Seiten ins Kreuzfeuer genommen wird: einmal von vorn rechts mit einem gesofteten Führungslicht, einmal von hinten links durch einen schwächeren Aufheller und einmal von vorn links durch einen Reflektor. Nun gilt es, zur optimalen Ausleuchtung von eurem Portrait weiter zu justieren und Feinabstimmung zu betreiben: bewegt die Lichtquellen vor und zurück, nutzt mehr oder weniger Folien oder Dimmer, um das Licht härter oder weicher zu bekommen.

 

Portraitfotografie – Low-Key-Beleuchtung

Bei der klassischen Low-Key-Beleuchtung reichen mitunter eine Lichtquelle und ein Reflektor aus. Platziert zunächst euer Model so, wie ihr möchtet. Im Idealfall liegt der Hintergrund bereits im Dunkeln, dann sollte eine Lichtquelle von schräg vorn kommen. Dreht die Lampe so ein, bis ihr den gewünschten Schattenwurf bekommt. Schräg von der anderen Seite der Kamera nutzt ihr einen Reflektor, um die Elemente aufzuhellen, die sonst zu sehr im Dunkeln untergehen würden. Nun müsst ihr – wie bei der High-Key-Beleuchtung auch – individuell variieren, um den gewünschten Effekt hinzubekommen: das heißt Lichtquelle näher ran oder weiter weg bzw. durch Milchglasfolien absoften; Reflektor etwas schräger, näher dran oder weiter weg halten, um bestimmte Bildteile schwächer oder stärker zu beleuchten. Als Brennweite empfiehlt sich auch hier ein Objektiv mit 50mm oder 70mm. Sehr häufig geht man bei der Low-Key-Beleuchtung aber näher an das Objektiv heran. Oft werden sogar nur Körperteile gezeigt, um die Intimität der etwas anrüchigen Belichtung des Low-Keys zu betonen.

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Dann kann man auch ein Objektiv mit höherer Brennweite wählen. Es empfiehlt sich, die Blende nicht zu sehr zu öffnen, damit euer Portrait ein schickes Aussehen behält. Auch hier ist ein guter Richtwert für die Blende f1,8. Dreht auch den ISO nach unten (mit einem Wert von etwa 200), denn bei dunklen Motiven sieht man ein Rauschen im Bild sehr schnell. Auch hier gilt: es kommt neben der Belichtung generell auf die Umgebung, den Haut-Teint eures Models und der Lichtstärke eurer Objektivs an, um Werte wie Blende oder ISO bestimmen zu können.

 

Portraitfotografie mit Blitzlicht

Was ist beim Fotografieren mit Blitzlicht zu beachten? Bei der konventionellen Fotoschule scheiden sich hinsichtlich des Blitzlichtes die Geister: einige lehnen Blitz total ab, andere Fotografen versuchen das Blitzlicht geschickt einzusetzen. Ihr solltet dieses nur dann verwenden, wenn ihr keine oder nur unschöne Lichtquellen zur Verfügung habt oder der Raum generell zu dunkel ist. Erst einmal generell einige Worte zu Blitzlicht bei der Portraitfotografie. Der oder die Portraitierte wirkt, wenn er direkt angeblitzt wird, in der Regel extrem überstrahlt und auf den Hintergrund wird dabei ein harter Schatten geworfen oder – wenn das Model sich weit genug davon weg befindet – säuft ganz ab. Insbesondere wenn man schwitzt, wirkt ein Portrait mit Blitz sehr unschön und unter Nase und Kinn werden hässliche Schatten geworfen. Lösen könnt ihr dieses Problem der Portraitfotografie durch indirektes Licht, dass es nicht so hart wirkt, sondern weich und angenehm wie aus einer Softbox. Dafür blitzt ihr euer Model nicht direkt an, sondern dreht den Blitz nach hinten und lasst das Licht von da nach vorn reflektieren, etwa durch Styropor oder einen Faltreflektor. Damit könnt ihr euren Blitz als Führungslicht für die Portraitfotos zweckentfremden. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, den Blitz diffus zu dämmen und die harte Belichtung des Blitzlichts dadurch weicher zu bekommen. Das könnt ihr erreichen, indem ihr euer Blitzlicht beispielsweise mit mehreren Taschentüchern umwickelt. Auch mit dieser Methode funktioniert ihr euren Blitz zum Führungslicht um und erreicht eine gleichmäßige Ausleuchtung. Um den Hintergrund bei eurer Fotografie weiter aufzuhellen, könnt ihr Zusatzblitze verwenden. Diese sollten nach oben gegen die Raumdecke hinter dem Portraitierten blitzen. Damit wird der Hintergrund schön gleichmäßig etwas heller, ohne zu überstrahlen – das funktioniert aber nur bei hellen Decken. Einen Vorteil hat man mit einer Stoffwand als Studiohintergrund. Hierbei könnt ihr das Blitzlicht hinter dem Stoff platzieren, wodurch der Hintergrund diffus heller wird. Dabei ist wichtig, den Blitz schräg von der Seite kommen zu lassen und ihn möglichst außerhalb des Bildrahmens zu platzieren – sonst sieht man die Lichtquelle durch den Stoff hindurch.

 

Portraitfotografie mit natürlichem Licht

Falls ihr für eure Portraitfotografie keine künstliche Lichtquelle zur Verfügung habt, mit der ihre Situation wie im Studio nachstellen könnt, bleibt euch die Verwendung von natürlichem Licht. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Person kann direkt in Richtung der Lichtquelle schauen, etwa einem Fenster. Ihr als Fotografen macht dann eure Portraitfotos aus Richtung der Lichtquelle. Der Vorteil besteht darin, dass das Gesicht dann meist schön gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Der Nachteil ist wieder einmal, dass das Bild flach und nicht sonderlich atmosphärisch aussieht. Im Gegenlicht, wenn sich euer Model quasi zwischen euch als Fotografen und der Lichtquelle befindet, können Silhouetten auch interessant wirken. Das Problem ist natürlich, dass dieser Effekt des dunklen Absaufens, insbesondere bei Gesichtern, für Portraitfotos nicht erwünscht ist. Die optimale Lösung ist, wie oben beschrieben, das Licht von der Seite kommen zu lassen. Platziert dazu euer Model etwa zwei bis vier Meter von einem Fenster entfernt. Im Optimalfall fotografiert ihr bei einem sonnigen Vormittag an einem Fenster Richtung Osten, oder bei Sonnenuntergang aus Westrichtung. Das Sonnenlicht fällt für eure Portraitfotos dann flach auf euer Model. Dreht es so ein, dass euer Model in einem Winkel von etwa 45 Grad vom Fenster vorbeischaut – also quasi auf die Wand neben dem Fenster. Entscheidet euch gemeinsam für die „Schokoladenseite“ eures Models. Diese „bessere“ Gesichtshälfte befindet sich also mehr dem Licht zugeneigt, während ca. ein Viertel der anderen Gesichtshälfte mehr im Schatten liegt.

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Im Optimalfall sind die Wände des Raumes weiß, sodass das Streulicht etwas auf die dunklere Gesichtshälfte eures Models fällt. Ansonsten könnt ihr auch mit großer weißer Pappe oder Styropor das vorhandene Sonnenlicht so reflektieren, dass die dunklere Gesichtshälfte etwas aufgehellt wird. Eine weitere Person kann dabei gut als Helfer fungieren und den Reflektor entsprechend eindrehen – oder aber ihr improvisiert für eure Portraitfotos. Früher habe ich ab und zu einen Reflektor, nachdem er eingerichtet war, zwischen zwei Stühlen eingeklemmt. Das sieht für Portraitfotografie zwar nicht sehr professionell aus, aber der Zweck heiligt die Mittel. Nun positioniert ihr euch nun mit der Kamera dann zwischen der Stelle, zu dem euer Model blickt, und dem Fenster (wobei klar ist, dass ihr euch nicht direkt vor das Fenster stellen solltet, um das Licht nicht zu verdecken). Wählt diesmal eine kleinere Brennweite, etwa 50mm, damit euer Model sich nicht zu weit weg vom Fenster platzieren muss und dementsprechend wenig Licht auf euer Motiv fällt. Und violà – ihr nutzt weiches Sonnenlicht als natürliche Quelle für eine stimmige Portraitfotografie. Die gleiche Vorgehensweise könnt ihr auch für Portraits im Freien anwenden, nur dass euer Motiv dann etwas mehr an der Sonne vorbei Richtung Horizont blickt, damit euer Model nicht ständig blinzeln muss.

 

Ich hoffe, diese kleine Fotoschule hat euch geholfen, einiges an Grundverständnis für die Beleuchtung bei der Portraitfotografie mit auf den Weg zu geben.