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Portraitfotografie – Grundlagen-Tipps

Portraitfotografie – Das ist die Kunst, den perfekten individuellen Ausdruck von Gesicht und Körper zu erfassen – im größtmöglich natürlichen Moment. Etwas kitschig ausgedrückt heißt das: jemandem in die Seele schauen. In diesem Artikel erkläre ich euch die Grundlagen, die ihr für Portraitfotografie wissen müsst und stets im Hinterkopf behalten solltet.

Ort für Portraitfotografie

Zunächst müsst ihr euch entscheiden, wo ihr eure Portraitfotografie anfertigen wollt. Dies kann draußen oder drinnen sein. Infos für Outdoor-Portraitfotos findet ihr in einem späteren Artikel, hier geht es zunächst um Indoor-Aufnahmen.
Innenaufnahmen haben große Vorteile: sie sind wetterunabhängig, das Licht ist beliebig justierbar, ihr könnt euch in der Regel Zeit beim Fotografieren nehmen und seit ungestört. Von Nachteil für die Portraitfotografie dagegen ist, dass ihr oftmals wenig Platz habt und ein schlecht ausgestatteter, kleiner Raum das ganze Foto abwerten kann. Nun gibt es wiederum einen Unterschied bei Indoor-Portraitaufnahmen. Entweder ihr fotografiert in einem natürlichen Raum, der bewusst als ein bestimmtes Zimmer wahrnehmbar ist. Oder ihr imitiert eine Fotostudio-Situation, d.h. mit schlichten weißen, schwarzen oder grauen Hintergründen. Das kann entweder eine richtige Wand oder eine Studioleinwand sein, die man ggf. auch improvisieren kann. Wie ihr am besten solch eine Art von Portraitfotografie macht, erfahrt ihr in einem anderen Artikel. Im Folgenden geht es zunächst um natürliche Räume bei der Portraitfotografie.

Hintergrund für Portraitfotografie

Ihr solltet euch im Klaren darüber sein, was ihr mit euren Portraitfotos vermitteln wollt. Entsprechend sollte der Raum, bzw. Hintergrund, gehalten sein. Denn der Raum sagt viel über euch oder eurer Model aus – wenn ihr Fotos in einem Fitnessraum macht, hat das eine völlig andere Wirkung als in einem Büro oder im Kinderzimmer. Wenn eure portraitiere Person im Fokus stehen soll, ohne beim späteren Betrachter des Fotos bestimmte Assoziationen zu wecken, entscheidet euch bei der Fotografie für einen neutralen Hintergrund, z. B. ein standardmäßiges Wohnzimmer.
Generell solltet ihr eurer Model immer weit weg vom Hintergrund stellen, um diesen entsprechend unscharf stellen zu können. Tiefenschärfen werten Fotos generell, nicht nur Portraitfotos, stark auf und setzen die scharf gestellten Personen oder Objekte in den Fokus. Ihr könnt auch mit dem Raum spielen – etwa wirken weitere Rahmen meistens sehr interessant (im Film heißt das „Sur Cadrage“ – ein Bild im Bild). Obwohl manchmal behauptet wird, die Fotos seien dann beengt, wird die Wirkung auf bestimmte Elemente im Bild gelenkt, die diesem Tiefe verleihen, wenn etwa die fotografierte Person durch ein geöffnetes Fenster blickt oder in einem Türrahmen steht. Manchmal wirkt es bei der Fotografie sogar interessant, jemanden nur durch eine Lücke spähen zu lassen, sodass man nur Teile des Gesichts oder die Augen sieht. Ein weiterer interessanter Tipp für interessante Portraitfotografie ist es auch, mit den eigenen Händen über und unter dem Gesicht einen Rahmen zu formen.

Beleuchtung der Portraitfotografie

Licht ist unglaublich wichtig bei der Portraitfotografie. Damit sind hierbei keine Nachjustierungen bei Blende oder ISO gemeint, sondern das gezielte Einsetzen von Lichtquellen. Vorhandenes oder gesetztes Licht erzeugt Stimmungen und ist erheblich wichtig für die Wirkung bei euren Portraitfotos. Im besten Fall werden bei der Fotografie damit ganze Welten erzeugt. Mit der Lichtgestaltung hat man bei der Fotografie nahezu unbegrenzte Möglichkeiten – dies wird in einem späteren Artikel noch näher beleuchtet. Hier sei nur soviel verraten: Neben recht konventionellen Mitteln der Ausleuchtung bei der Portraitfotografie ist es immer eine gute Option, mit dem Licht zu spielen. Schatten und Kontraste wirken in der Regel wesentlich interessanter als die standardisierte High-Key-Beleuchtung, die bei der Portraitfotografie üblich ist. Als kleine Anregung: versucht einmal, kreativ eine Jalousie oder einen Vorhang einzusetzen und mit diesen Möglichkeiten zu spielen. Lasst dabei etwa das Licht von hinter einer halb geschlossenen Jalousie von außen kommen, sodass kontrastreiche Schatten auf die Gesichter fallen – das ergibt bei der Fotografie in jedem Fall einen sehr interessanten Effekt. Bei der Verwendung von natürlichem Licht solltet ihr bei der Portraitfotografie möglichst nah zum Fenster gehen, wenn die Sonne tief steht – also am frühen morgen oder am späten Nachmittag. Das gibt weiches Licht und damit einen guten Effekt für die Portraitfotos eures Models. Wenn es möglich ist, vermeidet für gute Portraitfotografie ein Mischlicht aus künstlichem und natürlichem Licht – entweder, oder. Ein weiterer Hinweis: benutzt zum fotografieren den Bildstabilisator. Das klingt zunächst unlogisch bei Fotografie mit ausreichender Ausleuchtung, aber man kann somit trotz offener Blende kleinste Bewegungsunschärfen, selbst wenn der oder die Portraitiere stillhält, vermeiden. Das Bild wird somit scharf, trotz kleiner Wackler bei nicht optimalen Lichtverhältnissen.

Kameraeinstellungen für Portraitfotografie

Auch diese Thematik verdient eine Behandlung in einem Extra-Artikel zusammen mit der Beleuchtung, da sich Licht und Einstellungen an der Kamera gegenseitig bedingen. Grundlegend sind neben der Brennweite eurer Objektive die Einstellungen von Weißabgleich, Blende, Belichtungszeit und ISO. Bei den folgenden Einstellungen gehen wir von ausreichend vorhandenem Licht in Innenräumen für eure Portraitfotografie aus. Bevor ihr beginnt zu fotografieren, solltet ihr zunächst auf jedem Fall einen Weißabgleich durchführen. Dabei führt erfahrungsgemäß aber die AWB „künstliches Licht“ zu schlechten Ergebnisse, wie einen unnatürlichen Haut-Teint oder einen Gelbstich des gesamten Fotos. Besser ihr wählt für den Weißabgleich zum Fotografieren in Innenräumen die Einstellung „Schatten“.
Zu den Objektiven. Es gilt der Grundsatz: Je höher die Brennweite und je offener die Blende, desto weniger Tiefenschärfe ist bei der Fotografie vorhanden. Und für Portraitfotos möchte man normalerweise den Hintergrund gern unscharf bekommen, deswegen sollte ihr prinzipiell mit großer Brennweite fotografieren. Die Brennweite für ein Oberkörper-Portrait sollte dabei mindestens 50mm betragen, wenn möglich mehr. Dafür bieten sich folgende Einstellungen an der Kamera an:
– eine Blende von ca. 4,0
– eine Verschlusszeit von etwa 1/50 oder 1/100 sec
– ein ISO-Wert von 100 bis 400.
Für Portraits von Köpfen und Gesichtern solltet ihr mit mehr als 70mm fotografieren. Als Richtwert bietet sich eine Brennweite von 100mm an, besser ein 135mm-Objektiv. Dabei sind folgende Einstellungen empfehlenswert:
– eine Blende von 2,5 bis 3,4
– eine Verschlusszeit von 1/100 bis 1/200 sec
– ein ISO-Wert von 100 bis 400.
Bitte beachtet dabei, dass es sich um grobe Richtwerte handelt. Die idealen Einstellungen für eure individuelle Portraitfotografie hängen auch von eurem Objektiv ab und diese könnt nur ihr selbst vor Ort bei dem entsprechend vorhandenem Licht selbst bestimmen.

Perspektive für Portraitfotografie

Hierbei kommt es immer darauf an, welche Wirkung man bei der Portraitfotografie erzielen möchte. Für gewöhnlich fotografiert man in Höhe des Gesichts. Das wirkt am natürlichsten, weil es am ehesten den Sehgewohnheiten entspricht – man befindet sich mit dem Portraitierten „auf Augenhöhe“.
Andere Perspektiven können auf Portraitfotos aber auch interessant wirken. Bei einem Bild oben nach unten fotografiert wirkt der Portraitierte oftmals unterwürfig, man blickt im wahrsten Sinne des Wortes auf jemanden herab. Auf der anderen Seite kann diese Perspektive aber auch interessant wirken. Wenn man z. B. einen Top-Shot, also direkt von oben, fotografiert und das Model auf der Couch oder dem Bett liegt und in die Kamera schaut, wirkt das erfrischend und abwechslungsreich. Auf der anderen Seite wirkt die Froschperspektive, von unten nach oben fotografiert, meistens überheblich, mächtig und arrogant, denn man steht „über den Dingen“. Es kann aber auch cool und lässig wirken, wenn die Pose der Person und der Hintergrund entsprechend gewählt werden. Seid in jedem Fall kreativ, um bei euren Portraitfotos einen Wow-Effekt zu erzeugen. Ihr solltet Aufnahmen von verschiedenen Größen, von Details wie den Augen, über Gesichter bis zum Ganzkörper-Portrait fotografieren. Brecht auch mal die Regeln, indem ihr etwa nur eine Seite des Gesichts fotografiert. Vieles kann wesentlich interessanter wirken und beim Betrachter im Gedächtnis bleiben als die zwar ästhetisch schönen, aber ausgenudelten Regeln bei der standardmäßigen Portraitfotografie.

Posing bei der Portraitfotografie

Bisher haben wir nur die technische und gestalterische Seite der Portraitfotografie untersucht. Nun kommen wir zu einigen Tipps beim wesentlichen Element bei eurer Portraitfotografie – den Portraitierten an sich. Auch hier steht wieder als erstes die Frage im Raum, welche Aussage mit dem Bild getroffen werden soll. Möchtet ihr eurer Model natürlich erscheinen lassen, lässig oder doch eher lustig? Das fängt mit der Kleidung und der Frisur an. Generell solltet ihr auf quergestreifte Kleidung verzichten, das trägt gewöhnlich auf die Figur auf. Besser sind einfarbige Kleidungsstücke, die zueinander und auch zu Haar- und Hautfarbe passen. Ein Tipp ist es, bestimmte Körperteile verdeckt oder verschleiert zu fotografieren, etwa mit einem Tuch oder einem Hut. Das regt die Fantasie des Betrachters an und wirkt erfrischend anders und abwechslungsreich.
Für gewöhnlich achtet man auf ein freies Gesichtsfeld, ihr könnt aber auch mit Frisuren einiges ausprobieren. Auch hier gilt wieder: Welche Wirkung wollt ihr erzielen? Glatte, zurückgekämmte Haare vermitteln einen seriösen Eindruck, ein Wuschelkopf dagegen wirkt wild und kreativ.
Egal, welche Pose euer Model einnimmt und in welche Rolle es dabei schlüpft – es ist immer eine Natürlichkeit wichtig. Nichts zerstört die Wirkung eines technisch hervorragenden Portraitfotos mehr, als wenn die abgebildete Person gestellt und unnatürlich aussieht oder wirkt. Man könnte über möglich Fotoposen und deren Wirkung ein ganzes Buch schreiben, deshalb soll hier nicht auf die Körperhaltung eingegangen werden, sondern auf Details von Gesichtern.
Vor dem eigentlichen Fotografieren sollte das Gesicht des Portraitierten abgetupft, bestenfalls gepudert werden, denn sonst sind leicht Schweißperlen und unregelmäßiges Glänzen zu erkennen. Richtet vor dem Shooting die Frisur nochmals. Und es ist wichtig, nochmals mit eurem Model zu sprechen – gibt es Stellen, die die Person nicht mag (etwa eine große Nase)? Klärt das und versucht diese Stellen durch abschminken oder Perspektiven bzw. Eindrehen des Kopfes zu kaschieren. Egal wie nahe ihr eurem Model steht, geht auf deren Befindlichkeiten ein, sonst ist Ärger nach dem Fotografie-Shooting vorprogrammiert.
Als nächstes solltet ihr euch darüber einig werden, ob euer Model in die Kamera blickt oder nicht. Beides ist relevant für die Wirkung der Portraitfotografie, darüber solltet ihr euch einig werden. Wenn die Person wegschaut, wird eine Verbindung des Portraitierten mit einem Thema innerhalb des Fotos erzeugt, wenn dieses Element auch mit im Bild zu sehen ist. Wenn das Model wegschaut und auf etwas oder jemanden außerhalb des Bildrahmens blickt, wird gar eine kleine imaginäre Geschichte erzählt und regt die Fantasie des Betrachters an. Wenn auf der anderen Seite aber das Model direkt in die Kamera blickt, soll eine direkte Verbindung zum Betrachter hergestellt werden. Werdet euch über die jeweilige Wirkung bei eurer Fotografie bewusst.
Der Klassiker aller Perspektiven bei der Portraitfotografie ist es, leicht schräg von vorn zu fotografieren. Damit macht man grundlegend nie etwas falsch. Man kann aber bei der Fotografie auch mal anderes probieren. Wenn eine portraitierte Frau etwa über die Schulter nach hinten blickt, kann das kokett und – verbunden mit dem richtigen Gesichtsausdruck – sexy wirken. Wichtig ist in jedem Fall, beim Fotografieren durch die richtige Belichtung einen gewissen Glanz in die Augen bei eurem Portrait zu setzen. Alles andere wirkt seltsam tot oder befremdlich (es sei denn, das ist euer gewünschter Effekt). Einen schönen Glanz in den Augen kann über eine vorhandene Lampe, einen Reflektor oder etwa auch über richtig platzierte Kerzen geschehen. Fotoblitzlichter wirken leider auch immer wie Fotoblitzlichter, in den Augen findet sich dann ein grelles, eckiges Etwas wieder.
Zum Lächeln: Nichts wirkt bei einem Portrait unsympathischer als ein gestelltes Lachen. Diese Wirkung ist bei der Portraitfotografie sogar fast noch destruktiver als eine etwas ungeschickte Pose. Euer Model sollte also versuchen, nicht alle vorhandenen Gesichtsmuskeln anzuspannen, sondern ungezwungen zu lachen. Dabei hilft, vor dem Fotografieren nochmal tief durchzuatmen. Ihr als Fotograf solltet versuchen, euer Model aufzulockern, sodass ihr dessen Nervosität nehmt und sich eine gewisse Natürlichkeit einstellt. Probiert aus, was am besten funktioniert. Es hilft oftmals, Witze oder spannende bzw. lustige Anekdoten zu erzählen. Den besten Hinweis, den man dem Model bei der Portraitfotografie geben kann, ist: Seht in der Kamera nicht ein Gerät, sondern versucht euch vorzustellen, dass sie ein Mensch ist, mit dem ihr flirtet.