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Zeichnen lernen Tipps

Jetzt zeichnen lernen: 5 effektive Tipps für Zeichen-Anfänger

zeichnen lernen Tipps

Viele Fotografen hegen neben ihrer Kamera noch ein weiteres kreatives Hobby: Das Zeichnen. Wenn du zeichnen lernen willst, bist du hier genau richtig! In diesem Artikel lernst du, wie du mithilfe einiger einfacher, doch effektiver Tricks, deine Zeichen-Skills verbesserst.

 

Tipp Nr. 1: Richtig Abpausen

Ein guter Tipp, gerade für alle die zeichnen lernen, die noch nicht genug geübt sind Proportionen richtig auf das Blatt zu übertragen, ist das Abpausen eines Fotos. Vielleicht möchte jemand von euch ein Portrait zeichnen lassen? Dann ist es besonders wichtig, dass die Proportionen des Gesichtes zu 100% stimmen! Zeichenprofis werden möglicherweise an dieser Stelle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber für Anfänger ist diese kleine Schummelei vollkommen legitim. Da – wenn überhaupt – die wenigsten von euch einen Lichttisch zuhause stehen haben, erkläre ich euch, wie ihr mit den wenigen Mitteln, die euch zuhause zur Verfügung stehen, dennoch ein Foto abpausen könnt. Was ihr zunächst benötigt ist natürlich ein geeignetes Foto. Dieses sollte in der Größe, in der du deine Zeichnung haben möchtest, vorliegen. Ist dies nicht der Fall, musst du das Bild in die gewünschte Größe bringen. Nehmen wir an, du willst eine A4 große Portraitzeichnung anfertigen. Für die Demonstration verwende ich Photoshop, eine kostenlose und sehr gute Alternative ist Gimp.

So paust du deine Zeichenvorlage ab:

Zeichnen lernen, richtig abpausen

1. Öffne ein neues Dokument und zieh nun per Drag and Drop dein Bild in dein Dokument.

 

Abpausen beim Zeichnen

2. Skalier dein Bild auf die gewünschte Größe (denk daran die Shift-Taste gedrückt zu halten, um die Proportionen beizubehalten), schiebe es in die gewünschte Position und bestätige mit Enter. Sollte dir nicht gefallen, wie das Bild im Format sitzt, kannst du den eben beschriebenen Vorgang mit Strg + T (Bei Mac Cmd + T) einfach wiederholen.

 

Tipps beim zeichnen: Die Vorlage abspeichern3. Speichere das Bild als JPG ab (Datei -> Speichern als -> JPG).

 

Tipps beim zeichnen: Die Vorlage erstellen

4. Öffne nun den Effekt „Kontrast und Helligkeit“ und bearbeite das Bild mittels der beiden Regler so, dass es einen starken Kontrast aufweist, also helle und dunkle Bereiche deutlich von einander getrennt sind

 

5. Speichere auch dieses Bild als JPG ab (Datei -> Speichern als -> JPG) und füge dem Dateinamen einen Bezeichnung wie „_Kontrast“ oder dergleichen hinten an, damit du die beiden Bilder anhand des Dateinamens unterscheiden kannst.

Nun hast du ein und das gleiche Bild in zwei verschiedenen Ausführungen: Einmal das Original (Von diesem Foto wirst du später abzeichnen) und das Bild mit den starken Kontrasten (von diesem wirst du abpausen). Die starken Kontraste zeigen dir deutlich, wo du deine Linien ziehen musst. Nun musst die beiden Bilder nur noch ausdrucken bzw. ausdrucken lassen. Ich persönlich würde dazu in einen Copyshop gehen und würde die Bilder für je 0,10 € ausdrucken lassen, da die Qualität in Druckereien meist viel besser ist, als am heimischen Drucker.

 

Ziechenvorlage erstellen: Was braucht man?1. Nun kommen wir zum eigentlich Spannenden. Was du jetzt brauchst, ist ein Fenster, Klebestreifen, deine Ausdrucke und vier rechtwinklige Papierdreiecke.

 

Tipps beim zeichnen: Die Vorlage befestigen2. Befestige nun das kontrastreichere Bild mit den vier Papierecken (je eine Papierecke an jeder Bildecke) und dem Klebestreifen auf dem Glas deines Fensters. Diese „Konstruktion“ erlaubt es dir ein aller Ruhe das Foto abzupausen ohne die Gefahr, dass es verrutscht.

 

Das Zeichenblatt über die Vorlage hängen3. Nun nimmst du ein leeres Blatt Papier (worauf du gleich zeichnen wirst) und steckst es in die „Taschen“

 

Die fertige Zeichenvorlage

4. Zeichne die wichtigsten Konturen mit einem harten Bleistift nach. Nimm dein Zeichenpapier aus den Taschen heraus. Fertig ist deine Vorzeichnung. Jetzt kannst du dich daran machen, die Zeichnung herauszuarbeiten.

 

Das ganze macht natürlich nur Sinn, wenn es draußen entsprechend hell ist! 😉

 

Tipp Nr. 2: Wie du deine Zeichnung richtig schraffierst

Schraffuren sind die Elemente einer Zeichnung, die ihr Haptik, Dynamik und Räumlichkeit verleihen und dementsprechend wichtig. Es gibt viele verschiedene Arten zu schraffieren, aber im Grunde beruhen alle auf dem Prinzip der Regelmäßigkeit bzw. dem Gegenteil, Unruhe. Ich möchte dir zwei grundlegende Schraffur-Techniken vorstellen, mit denen ich gerne arbeite.

 

1. Parallelschraffur

Zeichen-Tipps: Die Parallel-Schraffur

Kennzeichnend hierfür ist, dass alle Linien in die gleiche Richtung zeigen. Leidiglich ihre Dichte und Länge können variieren und sind das Mittel mit welchem man Dynamik und Rhythmus erzeugen kann. Diese Schraffur-Technik eignet sehr gut dazu, Zeichen-Flächen eine Richtung zu geben. Du kannst sowohl ruhige, als auch wilde Effekte damit erzielen, je nachdem wie regelmäßig du sie zeichnest.

 

2. Kreuzschraffuren

Zeichen-Tipps: Die Kreuz-Schraffur

Kreuzschraffuren sind das beste Mittel um organischen Formen eine Oberflächen zu verleihen (z.B. Haut). Ihr Charakteristikum ist – wie der Name schon sagt – das kreuzweise Auftragen der Linien. Diese können sowohl rund als auch gerade gezeichnet werden und erzeugen so entweder eine kantige oder weich und rund wirkende Oberfläche. Ein Paradebeispiel für Kreuzschraffuren sind insbesondere die Portraitzeichnungen von Rembrandt. Nimm dir etwas Zeit und versuche seine Zeichenweise nachzuempfinden. 

 

Geheimtipp beim Schraffieren: Besonders spannend wirken beide Schraffur-Typen in Kombination. Im Hintergrund verwende ich gerne die Parallelschraffur, da diese einen angenehm ruhigen Rhythmus erzeugt (sofern man gleichmäßig schraffiert). Im Vordergrund verwende ich hingegen oft die Kreuzschraffur, da diese durch ihren haptischen Effekt optisch nach vorne tritt und so das Bild ganz automatisch durch den Kontrast beider Techniken eine räumliche Wirkung bekommt. Probier es aus! 🙂

 

 

Tipp Nr. 3: Ein einfacher Trick um in deiner Zeichnung Tiefe zu erzeugen

Mithilfe dieses einfachen Tricks erzeugst du ohne großen Aufwand Räumlichkeit in deiner Zeichnung. Der Trick beruht auf dem Prinzip, dass Kontraste von unserem Auge stärker wahrgenommen werden als einander ähnliche Tonwerte (im Falle einer monochromen Zeichnung Grauwerte) oder Strukturen. Eine Tiefenwirkung kannst du in deiner Zeichnung ganz erzeugen indem du beispielsweise deinen Stift bei dem Motiv, das im Vordergrund liegt eine kräftigere Kontur verleihst oder den Kontrastwert im vorderen Objekt erhöhst. Stell dir vor, du würdest  beim vorderen Objekt den Kontrastregler in Photoshop ein wenig nach rechts bewegen. Den Effekt auf das Zeichnen zu übertragen, hieße, dass du dunkle Bereiche noch dunkler und helle Bereiche noch heller zeichnest. Den Hintergrund hingegen lässt du schwächer gezeichnet und in einem relativ gleichen Grauwert. Im Bild unten wird der Effekt deutlich.

 

Zeichen-Tipps: Die Strichstärke entscheidetZweimal das gleiche Motiv: Links mit einheitlicher Strichstärke, rechts mit dynamischer Strichstärke (Vordergrund stärker, Hintergrund schwächer). Durch die dickere Strichstärke rückt das Hauptmotiv (die Kamera) auf dem rechten Bild in den Vordergrund.

 

Tipp Nr. 4: Licht und Schatten zeichnen lernen

Alles was wir „Sehen“ nennen, ist die Aufnahme und sinnliche Verarbeitung von Licht. Dieser Gedanke ist für Zeichner und Maler weitaus entscheidender, als er zunächst klingen mag. Um naturalistisch zeichnen zu können, muss man zunächst verstehen wie Licht funktioniert und was ein Schatten ist. Licht ist das Medium, was uns unsere Umgebung (optisch) wahrnehmen lässt. Folglich nehmen wir weniger wahr, je weniger Licht „vorhanden„ ist. Ein Schatten ist ein Bereich, in welchen weniger bis – in den seltensten Fällen (warum das so ist, kläre ich später) – gar kein Licht dringt. Das ist der grundsätzliche Gedanke, den man verstehen muss um näher ins Detail zu gehen.

Wie funktioniert Licht?

Ich stelle diese Frage natürlich nur aus der Sicht eines Zeichners und Malers und nicht der eines Physikers. 😉 Also wie funktioniert Licht? Zunächst muss man sich verständlich machen, dass jedes Licht von einer Lichtquelle kommt. Es gibt zwei Arten von Licht: Lineares Licht (in aller Regel Sonnenlicht) und Licht, dass sich von einem Punkt in alle Richtungen ausbreitet (z.B. eine Glühbirne). Streng genommen strahlt Sonnenlicht auch von einem Punkt aus, kommt auf der Erde allerdings parallel an (aufgrund des Größenunterschiedes und der Entfernung von Erde und Sonne). Je weiter die Lichtquelle entfernt ist, desto eher erscheint das Licht parallel. Dies wird anhand der Grafik unten deutlich.

Zeichnen-Tipps: wie funktionieren Licht und Schatten?

 

Schatten zeichnen lernen

Wie ich im Vorwort bereits beschrieben habe, ist ein Schatten der Bereich, an welchen das Licht weniger ankommt. In vergleichsweise wenigen Fällen ist ein Schatten wirklich lichtfrei (praktisch nur in Umgebungen ohne Sonnenlicht möglich). In aller Regel wird von der Umgebung genügend Licht reflektiert, dass es keinen 100-prozentigen Schatten gibt. Aus diesem Grund erkennt man selbst im Schatten eines Baumes die einzelnen Grashalme. Versuch dir diesen Gedanken zu verdeutlichen.

Schattenarten beim Zeichnen

Jetzt wird es konkreter. Grundsätzlich unterscheidet man beim Zeichnen zwischen zwei Schattenarten: Der Körperschatten (das ist der Schatten, den das Objekt durch die Neigung einer Seite zur Lichtquelle „an sich selbst erzeugt“) und der Schlagschatten (das ist der Schatten, den ein Objekt auf ein anders wirft).

Der häufigste Anfängerfehler beim Zeichnen einer Kugel

Anfängerfehler beim Kugel zeichnen

Einer der größten Anfängerfehler: Der Schatten wird nach unten hin immer dunkler.

 

Körperschatten zeichnen lernen

Kugel zeichnen lernen - Anleitung

So ist es richtig: Der Schatten hat seinen dunkelsten Wert etwa bei einem Drittel der Höhe (richtet sich immer nach der Position der Lichtquelle) und wird nach unten hin wieder heller, da der Boden unterhalb der Kugel das Umgebungslicht reflektiert. Der Boden fungiert hier quasi genauso wie ein Reflektor in der Fotografie. Zum Schluss (Punkt 4) zeichnest du den Schlagschatten ein. Die Form des Schlagschattens (wie du ihn aus deiner Position wahrnimmst) richtet sich nach der Form des Objektes aus der Sicht der Lichtquelle und deiner Position als Beobachter. Fertig.

 

Nochmal zum Vergleich:

Links: Falsch gezeichnete Kugel, Rechts: richtig gezeichnete Kugel

Im Vergleich wird die Unterschied deutlich. Das reflektierende Licht des Bodens erzeugt die räumliche Wirkung der Kugel.

Tipp Nr. 5: Augen zeichnen lernen

Augen zu zeichnen ist mit die größte Schwierigkeit beim Portraitzeichnen. Wir Menschen suchen ganz automatisch stets den Augenkontakt zu anderen. Kein Wunder also, dass uns selbst kleinste Fehler am Auge einer Portraitzeichnung sofort auffallen und irritieren. Ein falsch gezeichnetes Auge kann die gesamte Zeichnung ruinieren, während ein kleiner Zeichen-Fehler am Ohr unbemerkt bleiben kann. Grund genug, um zu lernen wie man richtig Augen zeichnet. Ich zeige dir die drei wichtigsten Punkte, die du beachten solltest, wenn du ein Auge zeichnen möchtest.

 

1. Die äußere Form

Auge zeichnen lernen - 1. SchrittDie Form des Auges wird maßgeblich durch die Augenlider bestimmt. Versuch dich im ersten Schritt darauf zu konzentrieren die Richtung und Biegung des oberen und unteren Augenlides zu konzentrieren. Fragen, die du dir beim Zeichnen stellen solltest, sind: Ist das Auge eher rund oder schmal? Wieviel des oberen Augenlides sieht man? Wird es gegebenenfalls von Haut bedeckt? Hat deine Portrait-Person Augenringe? Wenn ja, wie deutlich sind die Augenringe? All dies markante Faktoren für die äußere Erscheinung eines Auges. Im Anschluss zeichnest du die ungefähre Form der Augenbraue ein. Orientiere dich am vorgezeichneten Auge, damit die Augenbraue weder zu kurz, noch zu lang oder unförmig wird.

 

2. Iris und Pupille

Auge zeichnen lernen - 2. SchrittZeichne die Konturen der Iris zunächst leicht ein. Orientiere dich an der Zeichenvorlage: In welche Richtung blickt das Auge? Wieviel Platz nimmt die Iris ein? Wenn du sie eingezeichnet hast, tu das gleiche mit der Pupille (mit wenig Druck die Konturen einzeichnen). Nun kommen wir zum wichtigsten Punkt für ein gelungenes Auge: Die Reflektion. Betrachte genau die Vorlage und zeichne mit wenig Druck die Umrisse der Reflektion ins Auge ein. in manchen Fällen gibt es eine zweite Lichtquelle oder beispielsweise eine reflektierende Wand. Achte darauf!

 

3. Schraffieren
AUge zeichnen lernen - ErgebnisWenn du alle entscheidenden Elemente des Auges vorgezeichnet hast, bist du beim letzten Schritt angelangt. Nun schraffierst du zuerst die äußere Form des Auges. Schraffiere zunächst die Schattenbereiche gleichmäßig. Die dunklen Bereiche arbeitest du später heraus. Zunächst geht es um die Gesamtwirkung. Setz bei der oberen Schattenkante oberhalb des Auges eine etwas dunklere Schraffur, da dies der Bereich ist, an welchen das Licht schlecht „herankommt“. Das Gleiche tust du beim Schatten unterhalb des Auges.

Um dem Auge Rundheit zu verleihen, schraffiere den Körperschatten des Augapfels (nicht zu sehr aufdrücken (Der Augapfel ist weiß und ist schnell „schmutzig gezeichnet“)!  Achte auch hierbei auf die Hinweise bezüglich des Körperschattens (reflektierendes Licht vom Boden gibt dem Auge Rundheit).

Nun widmest du dich der Iris und der Pupille. Zunächst schraffierst du die Iris in einem einheitlichen Grauwert. Nun differenzierst du den Grauwert indem du den oberen Bereich etwas dunkler zeichnest (das obere Augenlid verdunkelt die Iris). Meist ist die Iris im unteren Bereich durch den reflektierenden Boden etwas heller. Nun kannst du der Iris mit einigen gezielten Strichen noch ihr typisches Muster verleihen. Wichtig: Der Glanzbereich bleibt weiß! Meist zeichnet sich auf dem Augapfel ein kleiner Schattenwurf vom oberen Augenlid ab. Schau genau hin.

Zu guter letzt kommt die Pupille dran. Mach sie ruhig so dunkel du kannst, achte nur darauf dass du auch hier den Glanzbereich weiß lässt. Oftmals „überschreitet“ der Glanz die Grenze zwischen Pupille und Iris. Gib dir besonders Mühe beim Glanzeffekt des Auges. Er verleiht dem Auge die räumliche Wirkung und mindestens – genauso wichtig – seine Seele. Fertig! 🙂

 

Alexander Schorch
Deine-Zeichnung.com